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OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist verlockend, darüber nachzudenken, wie wir unser Leben von heute auf morgen komplett umkrempeln werden. Die Idee, in kurzer Zeit große Fortschritte zu machen, ist für viele von uns unglaublich motivierend. Deswegen entscheiden sich viele von uns auch dafür, große Ziele in unserem Alltag anzupeilen.

Wir wollen in den nächsten 6 Wochen unser Übergewicht loswerden, ab morgen jeden Tag joggen gehen oder unsere Ernährung von “normal” auf Rohkost umstellen. So schön sich diese Ziele meistens anhören, so unrealistisch sind sie meistens auch. Wenn wir es bisher nicht einmal geschafft haben, auf Süßigkeiten zu verzichten, wie sollen wir eine komplette Ernährungsumstellung schaffen? Und wenn wir seit 10 Jahren nicht mehr regelmäßig Sport getrieben haben, wie sollen wir es dann schaffen, plötzlich täglich zu trainieren?

Wenn wir gerade sehr motiviert sind, merken wir oft nicht, dass die Ziele, die wir uns stecken unrealistisch sind. Oder besser gesagt: Wir wollen es nicht glauben. Wir überschätzen die Kraft, das Durchhaltevermögen und die Selbstdisziplin, die wir haben und unterschätzen die Mühe, die es kostet, eine neue Gewohnheit zu erlernen und unser Leben zu verändern.

Wir folgen also unserem überambitioniertem Plan, sind gut drauf und extrem davon überzeugt, dass das was wir tun funktionieren wird und dass wir auf einem guten Weg sind.
Dann passiert es allerdings: Die Motivation lässt nach. Und plötzlich scheint alles sehr viel mühsamer. Wir beginnen, nach Ausreden zu suchen, denn wir schaffen es nicht mehr, unsere neue Gewohnheit aufrechtzuerhalten. Vielleicht funkt uns auch das Leben dazwischen (z.B. Stress in der Beziehung, gesundheitliche Probleme oder eine schwierige Situation am Arbeitsplatz), was uns aber als Rechtfertigung für unser Aufgeben ganz gut passt.

Meistens lernen wir von dieser Situation nichts. Statt zu realisieren, dass überambitionierte Projekte selten erfolgreich sind, setzen wir uns ein paar Wochen später das nächste große Ziel. Vielleicht wollen wir jetzt nicht mehr auf Rohkost umsteigen, sondern auf vegane Ernährung oder wollen anstatt joggen zu gehen jeden Tag Krafttraining machen. Aber an unserer Herangehensweise verändert sich nichts.

Warum viele von uns in “Riesenzielen” denken

Da stellt sich doch die Frage, warum so viele von uns nur noch in Riesenzielen denken. Warum halten wir weiter an unrealistischen Zielen fest, wenn die Realität uns doch immer wieder lehrt, dass dies nicht nur sinnlos ist, sondern uns zudem aufreibt und Zeit kostet – uns vielleicht sogar frustriert und bitter macht, wenn wir nach dem hundertsten Versuch immer noch kein Stück weiter sind?

Die Gründe dafür können vielfältig sein:

1. Die Idee, dass wir unser Leben von heute auf morgen komplett umkrempeln können, ist zu schön, als dass wir sie aufgeben wollen. Was wir nicht hören wollen: Veränderung kostet Zeit und Mühe, Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin. Wir glauben also deswegen so gerne an überambitionierte Ziele, weil wir diese Mühe vermeiden wollen. Lieber glauben wir daran, dass von morgen an alles besser sein wird, weil wir ab da einfach “alles anders machen”.

2. Der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft ist so stark wie nie zuvor. Viele von uns fühlen sich wie Verlierer, weil sie nicht glauben, dass sie mit den anderen mithalten können. Schnelle ambitionierte Veränderungen sollen das verhindern. Wir wollen beweisen, dass wir genauso gut, genauso gesund, genauso fit wie alle anderen sind (oder sogar besser, gesünder, fitter). Natürlich denken wir auch hier nicht darüber nach, dass Veränderungen nun mal Zeit brauchen, sondern nur darüber, dass wir es so schnell wie möglich schaffen müssen, unser Leben umzukrempeln.

3. Manch einer von uns sucht sich vielleicht sogar deswegen unrealistische Ziele heraus, weil er eigentlich Angst vor wirklicher Veränderung hat. Immer wieder übergroße Ziele zu verfolgen, gibt uns die Illusion, dass wir etwas tun, um unser Leben zu verbessern – gleichzeitig verhindern wir aber damit tatsächlichen Erfolg; das heißt, dass wir uns nie wirklich mit den Konsequenzen der Veränderung befassen müssen.

Wie wir es schaffen können, uns realistische Ziele zu setzen und warum kleinere Ziele viele Vorteile haben, erfährst Du im zweiten Teil des Artikels.

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Odilia Wegener

Odilia ist Gesundheitscoach und widmet ihre Arbeit dem Erblühen der Lebenskräfte. Über die letzten Jahre hat sie sich ein großes Wissen über gesunde Gewohnheiten angeeignet und teilt sie hier auf ihrem Blog.

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